Christian VII. Ausländische Reise 1768

Ausländische Reise des Königs Christian VII im Jahre 1768

Bearbeitet und neu herausgegeben von Friedemann Prose (Kiel, 2012)

 

Quelle:

Höst, J. Kr. Höst (1830). Ausländische Reise des Königs Chistian VII im Jahre 1768. Kopenhagener Börsenhalle, Nr. 9,10,11 u, 12

(Aus dem Dänischen übersetzt nach der Zeitschrift - Statsvenner- , der Staatsfreund, 1822, wo diese kurze Abhandlung steht. Wir teilen einige Zusätze, mit Th. (Thaarup,F.P.) bezeichnet, mit.)

 

(Die Rechtschreinung wurde behutsam angepasst. Die Zwischenüberschriften sind neu eingefügt. F.P.)

Vorgeschichte der Reise 

In unseren Tagen ist es nichts ungewöhnliches, dass gekrönte Häupter fremde Länder besuchen. Vor einem halben Jahrhundert traf sich dergleichen selten. Umso größere Aufsicht erregte die Reise Königs Christian VII ins Ausland, kurz nach Antritt seiner Regierung. Die Erinnerung daran auffrischen, wird vielleicht an Interesse durch einen Vergleich mit den fürstlichen Reisen gewinnen, die heutzutage stattfinden.. Wir haben zwar auf dänisch bereits eine Übersicht dieser Reise in dem –Staatsjournal- vom Jahre 1770, S. 81-100. Indessen obgleich diese zu den folgenden Blättern benutzt ist, so sind mehrere Quellen zu Hilfe gezogen, wie z.B. Bernoullis Sammlung kurzer Reisebeschreibungen 4. Teil; Schlegels Sammlungen zur dänischen Geschichte 1 B, 1 H. 1773 *  u.s.w.

Schon vor Christians Thronbesteigung war eine von ihm zu machende Reise außer Landes im Entwurf. Seine Jugend und des Vaters Krankheit waren wohl die Hauptursachen zu ihrer Verschiebung. Nachdem Christian König geworden war und sich vermählt hatte, fing das Gerücht wieder an, von einer Reise zu reden; diese wurde auch im März 1768 beschlossen. Wohin aber diese gehen sollte, darüber war man sich keineswegs einig. Einige meinten nach Norwegen, nach dem Beispiel der vorigen Könige von Dänemark **. Andere redeten von Warschau und Petersburg, vermutlich in Rücksicht auf die Ehrfurcht, die Dänemark damals für den russischen Hof hegte. Das sie nach fremden Ländern gehen würde, konnte man aus den bereits Anfang April genommen Bestimmungen schließen.

* Hier wird eine Nachricht über den Aufenthalt des Königs in England mitgeteilt, wobei Schlegel nicht allein –Staatsjournalen-, sondern auch verschiedene Artikel in englischen Monatsschriften, besonders Gentlemens Magazine von 1768 benutzt und zugleich angeführt hat, was ihm durch die Gelehrten, die in des Königs Gefolge waren und auf andere Weise bekannt geworden ist. Über diese Reise hat Dr. J.Kr. Höst etwas in seiner geschätzten Schrift – der dänische Geheimkabinettsminister Graf J.Fr. Struensee und sein Ministerium 1.Teil S. 161-180 geliefert. Entlehnungen aus dieser Schrifr werden mit –Str.“ als Abkürzung beteichnet sein. Th. Man hat verschiedene Berichte über diese Reise als z.B. Memoires secrets à l´histoire de la république des lettres. Was von dieser Reise in der Schrift the northern Courts 1.Teil erzählt wird, it ein Roman, der auf histoischem Grund gebaut ist. Was in dem –Staatsjournale- für 1779 steht ist eine Übersetzung von Fortsetzung neue gen. Hist. Nachrichten, Band 95 u. 98. Str.

 

** Im Jahre 1771 wurde ein Quartbogen herausgegeben: die Ehre der dänischen und norwegischen Seeleute, dargestellt in einem Glückwunsche an den König, welcher bestimmt ist auf allerhöchst dero Reise nach Norwegen erreicht zu werden 1768.

 

Die Entourage des Königs

 

Um den König zu begleiten wurden ernannt: der Staatsminister Graf J.H.E. Bernstorff, der Oberkammerjunker Geheime-Konfrenzrat von der Lühe, der Geheimrat Baron J.H. von Schimmelmann, der Oberhofmarschall Graf Fr. von Moltke, der Hofmarschall Graf Fr. Wilh. Conrad von Holck, der Oberschenk Gustav v. Holck, der Oberjägermeister v. Gramm, der Generalleutnant v. Hauch, der Stallmeister Kammerherr v. Krogh, der Stallmeister Generaladjudant Kammerherr Baron Fr. Ludw. Ernst v. Bülow, der Geheime Kabinettssekretär Konferenzrat Andreas Schumacher, der Leibmedikus Etatsrat v. Berger, die Etatsräte Carstens und Ehlers, der Justizrat Stemann, der Obristleutnant Generaladjudant von Düring, der Kammerjunker von Lüttichau, die Kanzleiräte Temler und Sturtz, der Leibmedikus auf dieser Reise Dr. Joh.Fr. Struensee, der Reiseprediger Joh. Chr. Schönheider, der Reisekassierer Texier, der Kammerpage Fr. C. v. Warnstedt, der Kammerdiener Brieghel u.a.m.

Die Regierung sollte in des Königs Abwesenheit in der gewöhnlichen Ordnung geführt werden; der Staatsminister Adam Gottlob Graf v. Moltke erhielt die Leitung der ausländischen Angelegenheiten.- Es war der damals hieselbst allzumächtige russisch großfürstliche Gesandte, Geheimdelegationsrat von Saldern, der allgemein dafür gehalten wurde, als habe er diese Reise selbst gegen den Wunsch der dänischen Staatsmänner zu einer Zeit betrieben, da eine drückende Staatsschuld die schwersten Schätzungen notwendig machten.

 Die Abreise

Am 6. Mai des Vormittags um 10:30 Uhr ward die Reise angetreten. – Der Abschied, heißt es im Staatsjournal, war sehr zärtlich mit den drei Königinnen*. Sie wurden dadurch so gerührt, dass sie noch denselben Nachmittag alle zusammen in Gesellschaft mit Prinz Friedrich in einem Wagen ausfuhren, um sich von ihrer Gemütsbewegung zu zerstreuen. Sowohl bei der Ankunft des Königs zu Korsör, als bei seiner Abreise von da, ließ, der anderen Festlichkeiten nicht zu erwähnen, Rasmus Langeland, (bekannt durch die Errichtung einer grönländischen Handels-Kompagnie, die eingegangen ist) 27 Schüsse von seiner Festung abfeuern. Auf der Schaluppe, welche, geführt von dem Kammerherrn Kommandeur von Schindel, den König über den Belt brachte, befanden sich zugleich der General v. Hauch, der Hofmarschall Graf v. Holck, der Kammerherr v. Krogh und Kammerjunker v. Lüttichau. Als der König zu Odense mit dem Hofmarschall Graf v. Holck in seinem Wagen ankam, ritten vor ihm zwölf blasende Postillione von dem Wagenmeister angeführt, das grüne reitende Corps mit Pauken und Trompeten, ein königlicher Hegereiter und die Offiziere von ein paar Dragonerregimenten, hinter dem Wagen ein Kommando Dragoner. Über Middelfahrt ging der Weg nach Gottorf.

 

* Nämlich die beiden verwitweten Königinnen Sophie Magdalene, Witwe König Christian VI.; Juliane Marie, Witwe Friedrichs V., , und die Königin Caroline Mathilde, Gemahlin Christian des VII. Th. – Die Königin Caroline Mathilde hatte gewünscht, ihn zu begleiten. Sie weinte bitterlich bei der Abfahrt Ihres Gemahls.- (Str. 1 Th.S. 162).

 

 Auf Schloss Gottorf

 

Der Geheime-Delegationsrat von Saldern, der sich eben im Schleswigschen aufhielt, war dem König bis Gebau * entgegen gereist, und begab sich von da mit dem russisch-kaiserlichen Gesandten Generalmajor Philosophov nach Gottorf. Hier hielt sich der König vom 9. Mai bis zum 28. auf. Er unternahm in dieser Zeit einige kleine Ausflüge umher, ergötzte sich mit Bällen, Maskeraden, Illuminationen, Lustfahrten zu Wasser usw.; doch wurden deswegen ernsthafte Gegenstände nicht vergessen. So wurden unter dem 14. Mai fünf Verordnungen ausgestellt, welche gewisse Abgaben und Auflagen** bestimmten, so wie auch der vorletzte Tag des königlichen Aufenthaltes zu Gottorf, der 27. Mai, durch einen Vergleich zwischen den beiden Gottorschen Häusern, das Glückstädtische und Kielsche einerseits, und Hamburg andrerseits ausgezeichnet wurde. Dieser Vergleich ward im Namen jener von v. Bernstorf und v. Saldern, im Namen Hamburgs von dem Syndikus Schubak unterzeichnet, der zugleich mit andern Deputierten jener Reichsstadt nch Gottorf gekommen war, wo sie fast täglich zur Tafel gezogen wurden. Das gesamte holsteinische Haus entsagte zwar dadurch jeder Forderung auf irgendeine Oberherrschaft über Hamburg und erkannte diese für eine freie stimmfähige Reichsstadt im Römischen Reiche; aber Dänemark erhielt für seinen Teil eine Million Couranttaler von seiner Schuld erlassen. Wie viel v. Schimmelmann, damals dänischer Minister beim niedersächsischen Kreise für seine Mitwirkung zu diesem Vergleich erhielt, ist unbekannt. –

Übrigens bezeichnete der König auch seinen Aufenthalt auf Gottorf durch Austeilung von Ritterorden, Kammerherrnschlüssel und Titel.-

* Eine Meile von Flensburg ( Bau, FP)

** -  Man konnte nicht umhin zu bemerken, dass diese aus einer unumgänglichen Notwendigkeit entstandenen Steuern am Anfang einer ebenso unnötigen als kostbaren Reise aufgelegt wurden.- Str. 165.

 

Über Kiel nach Hannover . Der Prinz von Traventhal.

Von Gottorf setzte der König seine Reise mit einem Gefolge, das nun in allem auf 56 Personen vermindert worden war, worunter v. Bernstorf, v. Moltke, Hofmarschall v. Holck, v. Bülow, Schumacher, v. Düring, v. Warnstedt, Temler, Sturtz, Struensee, Schönheider, Brieghel, die bemerkenswertesten waren, weiter fort*.

Von Gottorf begab sich der König nach Kiel, wo er das Mittagsmahl bei dem hochfürstlichen Bischof von Lübeck einnahm.

Sechs Tage verweilte der König zu Travendahl (Traventhal), erinnerungswert durch den 1700 geschlossenen Frieden und die 1770 begründeten Veränderungen. Den 5. Juni war er auf Ahrensburg bei dem Geheimrat v. Schimmelmann, den er nun zum Schatzmeister, mit einem durch Resolution vom 10. Juni bestimmten Rang, ernannte, und den er von nun an in seinem Gefolge hatte. In dasselbe trat auch noch vor des Königs Abreise aus seinen Staaten der Doktor Struensee.

Beim Zollenspieker wurde der König am 6. Juni von einer Deputation aus Hamburg bekomplimentiert und ging unter Inkognito als Prinz von Travendahl (Traventhal) über die Elbe. Als solche verbat er sich in Lüneburg die Begrüßung durch Kanonenschüsse und Begleitung von einer Eskorte, aber nahm doch Wohnung und Aufwartung auf dem Schlosse an. 

Über Celle, wo er, wie später an mehreren Orten, öffentlich Tafel hielt kam e den 8. Juli zu Montbrillant bei Hannover an, zwei Tage nachdem König Friedrich der Zweite von Preußen hier durchgekommen war. Obgleich nur als Prinz von Traventhahl reisend, wurde er doch von dem ganzen Ministerium und Hofe empfangen; er verbat sich jedoch die ihm bestimmte Aufwartung von einem General, einem Kammerherrn, einem Kammer- und einem Hofjunker. Während seines Aufenthaltes hier bis zum 13. Juni besah er das durch seine Wasserkünste und besonders die in ihrer Art einzige schöne Fontäne bekannte Herrenhausen, sowie in Hannover den königlichen Stall und die königliche Bibliothek.

Von Hannover ließ der König einen Teil seines Gefolges über Osnabrück und Münster nach Holland gehen.

* Der Oberkammerjunker v. der Lühe, der Graf Gustav v. Holck, der Etatsrat v. Berger u. A. begaben ich nach Kopenhagen zurück.Str. 167.

Hanau und Weiterreise nach Nimwegen

Selbst nahm er den Weg nach Hanau, der Residenz des Erbprinzen von Hessen-Cassel, Gemahl seiner Schwester Wilhelmine Caroline wo auch seine zweite Schwester Louise und ihr Gemahl Prinz Carl zum Besuch waren. Er hatte, heißt es, diese Reise in solcher Stille vorgenommen, dass niemand, weder auf dem Wege noch in Hanau, den geringsten Wink davon erhalten hatte. Hofmarschall v. Holck saß bei ihm im Wagen und Graf v. Bernstorf folgte einen Tag später nach. Am 15. Juni kam der König in Hanau an, wo er den Hof am Kinziger-Tor traf, der sich eben mit einer Spazierfahrt belustigte. Sämtliche Herrschaften begaben sich sogleich nach dem Lustschlosse Philipsruhe, wo der König einzog. Von hier besuchte er die Landgräfin in Hanau am folgenden Tage.

Des Königs Gegenwart zog viele Fremde dahin, unter andern den Prinzen Ludvig von Württemberg, der sich in Wasserloo, unweit davon, aufhielt. Der König machte eine Wanderung nach Bergen, und besah den bekannten Wahlplatz. Übrigens wurden seinetwegen verschiedene Festlichkeiten und Vergnügungen angestellt, wie Illuminationen, Bälle, Maskeraden, Musterungen u.d.m.

Nach einem Aufenthalt von fünf Tagen zu Philipsruhe reiste der König, von seinen Schwestern und Schwagern begleitet, zu Wasser nach Frankfurt am Main. Hier ließ er sich im Römer die goldene Bulle vorzeigen. So ging der Weg über Mainz, Goar, Koblenz, Bonn, Köln und Wesel nach Nimwegen, der ersten Stadt in den Vereinigten Niederlanden.

 

Von Nimwegen nach Brüssel

In Nimwegen (d. 26.) erhielt der König eine Einladung von dem Statthalter, Prinzen von Oranien, auf seinem Wege nach Utrecht auf dem Schlosse von Loo, wo sich der Prinz damals befand, abzusteigen. Der König nahm die Einladung an und traf den 27. Juli in Loo ein, wo er bei dem Prinzen von Oranien und dessen Gemahlin, einer Prinzessin von Preußen, speiste.

In Utrecht besah er eine Maschine um in der Geschwindigkeit Seide abzuwinden; in Zeist das herrenhutische Etablissemant, mit einer Fingerhutfabrik, wo die Spitzen genäht wurden.

Amsterdam beschäftigte den König in sechs Tagen. Er besah hier die Börse, das Hospital für alte abgelebte Leute, das Rathaus, den botanischen Garten, die Anatomiekammer, die Schiffswerften der Admiralität und der ostindischen Compagnie, die Braamkampsche Bildergalerie, die Synagogen u.a.m.; und speiste einmal bei dem Bürgermeister Clifford.

Von Amsterdam ging der König in Gesellschaft mit dem Prinzen Friedrich von Hessen nach Harlem, wo er Schabracq´s Diamant-Fabrik, das Orgelwerk der großen Kirche, Eschedes Schriftgießerei, Kösters Druckbuchstaben, eine vor der Erfindung der Buchdruckerkunst geschriebene lateinische Bibel in Augenschein nahm, welche der Bischof Erik Walkendorf von Drontheim im Jahr 1517 dem Pompejus Occo, Bürger in Amsterdam, aus Erkenntlichkeit geschenkt hatte, weil dieser in seinem Haus den Bischof versteckt hatte, der vor Christian II. floh, und zugleich von Kaiser Karl V. verfolgt wurde.

Im Haag verweilte der König dreizehn Tage, in welcher Zeit er zugleich eine Exkursion nach Leiden machte, wo er sich einige Stunden aufhielt und den botanischen Garten, das Naturalienkabinett, die Akademie Bibliothek, die Anatomiekammer nebst verschiedenen Pivat-Kabinetten sah. Nach dem Haag kam, während des Königs Aufenthalt, der Statthalter und stellte verschiedene Festlichkeiten auf dem Oraniensaale seinen Gästen zu Ehren an. Unter andern, denen der König erlaubte ihn zu bewirten, war der spanische Minister Puerte Fuente, der in Königs Friedrich des Fünften Zeit am dänischen Hofe akkreditiert gewesen war. Auch hielt der König einige Male große Mittagstafel bei sich selbst.

Begleitet von dem Erbprinzen von Oranien und anderen fürstlichen Personen kam der König in Delft an, von wo er über Rotterdam und Antwerpen in  Brüssel ankam, zu der Zeit die Hauptstadt der österreichischen Niederlande. Her trat er in dem Thurn- und Taxischen Hotel ab, das zu seinen Diensten stand. Er wurde von dem Generalgouverneur dem Prinzen Carl von Lothringen und verschiedenen hohen Herren bekomplimentiert. Man suchte durch mannigfache Vergnügungen, Komödien, Bälle, Jagd, Lustlager u.d.m. dem König den Aufenthalt angenehm zu machen.

Den 1. August verfügte er sich zu dem bei Gemappe in der Nähe von Mons errichteten Lager von 10.000 Mann unter General Murray, und speiste daselbst bei dem Prinzen von Ligne. Er am 3. Brüssel verlassen hatte, gelangte er über Gent am 7. zu Ostende an.

 

Ostende, Dünkirchen, Calais 

Der König von Frankreich, Ludwig der Fünfzehnte, hatte Befehl gegeben, dem Könige bei Annäherung an die französische Grenze dieselben Ehrenbezeugungen als ihm selbst zu erweisen, jedoch ohne gegen dessen Willen zu handeln; dem zufolge kam der kommandierende Generalleutnant, der Prinz Robecq Montmorency, nach Ostende und fragte den König, auf welche Weise er empfangen werden wollte. Als nun der König jede öffentliche Ehrenbezeugung ablehnte, wurde mit den großen Vorbereitungen, die man in Dünkirchen zu seinem Empfang angefangen hatte, um seinen Einzug festlich zu begehen, aufgehalten.

Indessen wurden an beiden Abenden, die der König in Dünkirchen verblieb, diese Stadt erleuchtet, und in deren vornehmsten Straßen waren das dänische Wappen und die dänische Flagge angebracht; den letzten Abend ward ein Feuerwerk abgebrannt, das der König selbst anzündete. Der König logierte in dem Hotel des Intendanten von Flandern Caumartin, wo ihn der Prinz Montmorency  bewirtete. Da er den 7. des Abends bei Tafel saß, fasste ein englischer Maler seine Züge so glücklich ins Auge und brachte sie nachher so treffend aufs Papier, dass der König, als er am 9. morgens aufstand, mit angenehmer Überraschung sein außerordentlich ähnliches Bild in seiner Kammer fand.

In Graveline empfing und bewirtete der Generalleutnant in der Picardie, der Prinz von Croy, den König; beide Prinzen begleiteten ihn nach Calais, wo er die königliche englische Yacht Mary vorfand, die ihn unter Kapitän Campbells Führung über den Canal bringen sollte. In Calais hielt der Präsident des dortigen obersten Gerichtshofes folgende Rede an ihn:

-         Großmächtigster König ! Worte können nicht ausdrücken was unsere Herzen in diesem Augenblick fühlen, da wir die Gnade genießen Ihro Majestät unsere alleruntertänigste Aufwartung zu machen. Was kann man nicht von einem Regenten erwarten, der gleichsam auf eine Zeit die königliche Hoheit niederlegt, um die verschiedenen Sitten und Gebräuche der anderen Nationen selbst kennen zu lernen, um diese Kenntnisse zum Wohl und Glück seiner Untertanen anzuwenden. Welche Hoffnung von dero Majestät rühmlichen und weisen Regierung ! Möge sie so lange dauern als die Jahre Ihrer Majestät die Aussicht dazu geben und ihre Tugenden es verdienen ! Das sind die Wünsche, welche die Mitglieder des höchten Gerichtshofes zu Calais in tiefster Untertänigkeit zu Ew. Majestät Füßen legen.-

 

Dover und Canterbury

 

Den 10. August abends stieg der König Christian der Siebente bei Dover ans Land. Der dänische Gesandte am englischen Hofe Baron Didr. Von Fürstenstein war zugleich mit vielen andern vornehmen Herrn ihm entgegen gereist. Eine Anzahl königlicher Wagen und Bedienten waren ihm bis Dover entgegen geschickt, um ihn nach London zu bringen, wurden aber von ihm nicht benutzt. Nachdem er den größten Teil seines Gefolges nach besagter Hauptstadt vorausgeschickt hatte, verließ er Dover mit vier Postchaisen und fünfzehn Bedienten zu Pferde. Man erzählt von seiner Reise in London folgende Züge: Da der König gehört hatte, dass die Geistlichkeit und Bürgerschaft zu Canterbury und Rochester ihn auf das Prächtigste empfangen wollte, ward er darüber übel gestimmt, weil es kein Freund von Formalitäten war. Er sagte deswegen zu Bernstorf:

 

-         Der letzte König von Dänemark, der in Canterbury war, legte die Stadt in Asche und schlug die Einwohner tot. Wollte Gott sie hätten sich dessen erinnert und wollten mich ruhig durch ihre ehrwürdige Stadt ziehen lassen ! Erlaubt die Etikette, dass ich durch Volmächtige mich einfinde ? Alsdann bitte ich, dass ich Ihre Ankunft verkündige und dass Sie mein Vollmächtiger sein wollen. Die langweilige Pracht und die pedantischen Reden jagen mir eineschreckliche Furcht ein. Kann mein Wunsch nicht erfüllt werden, und soll ich inmal früh oder spät dieses Kreuz tragen, so laß es ausgesetzt sein, bis ich hierher zurückkomme, um an Bord zu gehen. Das wird angenehmer sein. Alles könnte dann auf einmal abgemacht werden.-

 

Der Graf antwortete mit einem Lächeln, dass die guten Bürger in Canterbury weniger Schwierigkeit finden würden, alle die von ihren Vorfahren ausgestandenen Leiden zu vergessen, als sich der Ehre beraubt zu sehen, eine Rede an ihn zu halten und seine Königliche Hand zu küssen.*

 

* Diese Anekdote ist aus The Northern Courts by John Brown. V.I. S. 55 u. f. gezogen.- Ich weiß wohl wie unzuverlässig im Allgemeinen die Erzählungen von dergleichen Gesprächen sind und wie wenig besonders die von Brown mitgeteilten Erzählungen von des Königs Reise als glaubwürdig erkannt werden können. Einige unter diesen, insofern sie England betreffen, können als auf Gerüchten gegründet angenommen werden und die hier angeführte scheint nicht gegen den Charakter des Königs zu streiten.  Höst.

 

Empfang in London

 

In London,wo er den 11. August abends 7 Uhr ankam, wurde er von einer zahlreichen Volksmenge mit lautem bewillkommnenden Ausruf empfangen. Hier waren für ihn Zimmer in dem  Stallgebäude von St. James, dieselben, welche der König von Preußen im Jahr 1814 bewohnte und von dem Herzoge von Clarence bewohnt wurden, zubereitet. Als der Graf Holck die Gebäude erst von Außen sah, soll er gesagt haben, das kann nicht angehen, das ist nicht passend für einen Christian ! ein Ausbruch den das Unansehnliche des Gebäudes rechtfertigte; mit dem Inneren war der Graf weniger unzufrieden**.

**Northern Courts V.1. S.54 u. f.

 

Der Graf von Herford und der Lord Falmouth hießen den König willkommen im Namen des Königs und der Königin, die sich damals in Richmond aufhielten. Die Nacht zeichnete sich durch Illumination, Feuerwerke und Läuten der Glocken u.s.w. aus.

Der folgende Tag war des Prinzen von Wales, des jetzigen Königs von England, Geburtstag, da er sein sechstes Jahr vollendete. Die englischen Majestäten waren nach London gekommen, und nahmen die Glückwünschung entgegen. Zugleich wurden dem Könige von Dänemark die Glückwünsche wegen seiner Ankunft in London von dem diplomatischen Corps und andern Vornehmen dargebracht.

Mittlerweile wurde das Zeremoniell geordnet; und nun begab sich König Christian mit einem ansehnlichen Gefolge als König von Dänemark nach dem Palast der Königin, wo er seinen Königlichen Schwager nebst Schwägerin fand, mit welchen er dort eine erste Zusammenkunft hatte.

Die Schwiegermutter Prinzessin von Wales

Von dort begab er sich zu seiner Schwiegermutter der Prinzessin von Wales, welche er nachher verschiedene Male besuchte. Man erzählt, dass diese von ihrem Königlichen Schwiegersohn sich erbeten habe, dass Frau von Plessen, die von ihrem Posten als Oberhofmeisterin bei der Königin verabschiedet worden war, wieder nach Hofe gerufen werden möchte; der König habe aber geantwortet: Gerne, ich habe aber den unerschütterlichen Entschluß gefasst, nie da zu sein wo die Frau von Pleß ist.

Gleichfalls hat man folgende Anekdote. Die Prinzessin weissagte einmal in Gegenwart ihres Schwiegersohnes aus den Karten. Zugleich war eine Lady gegenwärtig, der der König einige Juwelen geschenkt hatte. Er fragte die Prinzessin: welche Karte ihn bezeichnete. Mit einem schelmischen Lächeln antwortete die Prinzessin: Lady* nennt sie the King of Diamonds ( ein Wortspiel welches sowohl Diemanten-König oder Careau König bezeichnet) und wie nennen Sie da Holck, fuhr der König fort. O mit einem weit schmeichelhafteren Namen, versetzte die Prinzessin, dieser süße Herr, der ein Schreck für zärtliche Väter und eifersüchtige Ehemänner ist, heißt the King of Heart ( Herzen König); der König glaubte diesen Scherz erwidern zu müssen und fragte: bei welcher denkt da meine hohe Schwiegermutter an Lord Bute ( wie bekannt ihr Liebling) ? Die Antwort weiß man nicht.

 

* Northern Courts Vol. I. Pag. 61- Man hat auch wohl Georgs III. Gemahlin die Diamanten- Königin nennen geört, wegen der Menge Juwelen, die sie von dem aus Ostindien heimgekommenen Warren Hastings zum Geschenk erhielt. Allein in diese Benennung mischte sich kein Wortspiel. Höst.

 Anekdoten

Der Aufenthalt des Königs in London machte um so mehr Aufsehen, da er erst das dritte gekrönte Haupt war, das in dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert England besucht hatte. Der König Christian IV. von Dänemark hatte sich im Jahre 1606 einen Monat dort aufgehalten, als er mit dem Orden des Hosenbandes geschmückt wurde; und der Zar Peter I hatte unter Wilhelm des Dritten Regierung einen Besuch dahin gemacht. Alle waren begierig den jungen schönen König, den Schwager ihres eigenen Königs zu sehen. Er entzog sich nicht dieser Sehnsucht zu genügen. Man erzählt sich, dass, als er einmal am Eingange zu dem Palaste aus dem Wagen stieg, ein schönes Mädchen sich durch seine Umgebung drängte und ihn mit den Worten umarmte: töten Sie mich nun, wenn Sie wollen; ich kann vergnügt sterben, da ich den schönsten jungen Mann von der Welt geküsst habe. Weit entfernt hierüber zu erzürnen, wand der König sich sanft aus ihren Armen und lief lachend und hüpfend die Treppe hinauf.

 

Man erzählt eine lustige Begebenheit die mit dem Kaufmanne stattgefunden haben soll, bei welchem der König seine Remessen hob. Bei diesem Manne, der reich und geizig war, hatte der König sich unter dem Namen Friedrichsen einen uneingeschränkten Kredit eröffnen lassen. Einst kamen der König und Graf Holck in das Comptoir des Kaufmannes und hoben fünftausend Pfund. Der Kaufmann, der gern mehr von diesem Herrn Friedrichsen wissen wollte, befahl einem seiner Bedienten acht zu geben wo sie hingingen. Dieser sah sie in den Palast St. James eingehen und fragte die Schildwache, ob sie wisse wer diese wären. Die Schildwache meinte, dass sie zu dem Gefolge des Königs von Dänemark gehören müssten, da es keinem andern, als den Personen seines Gefolges erlaubt sei, durch diese Tür zu gehen. Der Comptoirbediente berichtete dies seinem Prinzipal und dieser seiner Ehehälfte. Der König und Holck kamen wieder. Sie wurden eingeladen, eine Tasse Tee bei der Frau von Hause zu trinken. Der Kaufmann zog den König bei Seite und fragte, nach einer langen Einleitung über den unvorteilhaften Wechselkurs und gefährliche Spekulationen, endlich gerade heraus, ob die Gelder nicht für Christian den Siebenten gehoben würden ? Der König, welcher merkte, dass der Kaufmann bloß Riemen aus fremden Leder schneiden wollte, antwortete Ja. Vergnügt über dieses Geständnis fuhr der Kaufmann fort: Sie lassen ihn noch ganz gut bezahlen ? was sind eigentlich ihre Verrichtungen ? Meine Hauptgeschäfte sind, antwortete der König, ihn anzukleiden und Zeitvertreib für ihn aufzusuchen. Ja, sagte der Kaufmann, man kann es ihnen ansehen, dass sie Einfluss haben. Keiner, antwortete der König, hat größeren Einfluss auf ihn als ich. So machen Sie sich auch wohl gute Vorteile. Auf meine Ehre, versicherte der König, ich habe mir niemals Vorteil aus irgend einer Geldangelegenheít gemacht. Der Kaufmann machte ein langes Gesicht. Nach einer Pause fing er wieder an und sagte, dass er sich auf Geldhandel wohl nicht verstünde.-Schlechterdings nicht.- Wozu braucht denn der König die Gelder ? fragte der Kaufmann.- Er gibt es weg, war die Antwort, zuweilen in Juwelen oder anderen kostbaren Artikeln. Hören Sie einmal, ergriff der Kaufmann das Wort, könnten Sie nicht Lust haben, Ihren Einfluss beim Könige zu brauchen ? Ja, war die Antwort.- So erlauben Sie mir, fuhr der Kaufmann fort, Sie zu unterrichten, wie Sie ein halb hundert Prozent gewinnen können ! Lass mich die Juwelen und andere Geschenke kaufen! – In dem Augenblick kam einer der Pagen des Königs und ließ den Kaufmann herausrufen: Ist nicht der König von Dänemark bei Ihnen ? fragte er,- Hier ist kein König von Dänemark, aber Herr Friedrichsen ist hier.- Das ist der König, versetzte der Page: König Friedrichs des Fünften Sohn; der Herr der mit ihm ist, ist der Graf Holck. Ich habe einen Brief, den ich in die eignen Hände des  Königs zu übergeben habe. Der Kaufmann war wie vom Blitz getroffen und durfte sich nicht mehr dem Könige zeigen. Da der Page mit aller Untertänigkeit den Brief übergab, geriet die Frau des Kaufmanns, die bei dem Grafen darum angehalten hatte dem Könige vorgestellt zu werden, in Erstaunen; der Graf aber bat sie nicht ängstlich zu sein, nahm sie bei der Hand, führte sie zu dem Könige  und sagte: Ich habe das Glück Madame unerwartet ihren Wunsch zu erfüllen. Die Frau sah schweigend starr. Der König erbarmte sich ihrer Verwirrung und nahm von seinem Finger einen Ring, den er an einen der ihrigen stecken wollte, wenn diese nicht zu dick gewesen wären. Dabei bat er ihren Mann zu versichern, dass der König nicht übel nehme,was im Vertrauen dem Herrn Friedrichsen gesagt war. Endlich ging er weg, belustigte sich über das Abenteuer und bedauerte, dass es so bald ein Ende genommen hatte.

Man hat viele Anekdoten von dem Aufenthalt Christian des Siebenten in London; folgende wurden in den Adress-Zeitungen aufgenommen und können daher wohl als wahr angenommen werden. Eine hochschwangere Kaufmannsfrau, die eine außerordentliche Lust hatte Seine dänische Majestät zu sehen, sich aber nicht unter den Haufen auf der Straße wagen durfte, erbat sich von dem Könige schriftlich die Gnade ihm vorgestellt werden und die Hand küssen zu dürfen. Ihre Bitte wurde gewährt, und vergnügt begab sie sich nach Hause.- Wenn der König bei Tafel saß konnten die Damen frei durch das Zimmer gehen um ihn zu sehen. Außerdem zeigte er sich oft am Fenster. Nicht allein strömte man auf Veranlassung von seinem Aufenthalt in London von der Hauptstadt dorthin; es wurde sogar gesagt, dass niemals so viele englische Adelige auf einmal in Paris gewesen wären, als nun französische in London waren. Unter anderen Fremden kamen der russische Fürst Czartoriski und seine  Gemahlin nach London, begleitet von dem russischen Gesandten am dänischen Hofe General Philosophov.

 

Festlichkeiten in und um London

Die tägliche Bewirtung des Königs von Dänemark geschah auf Rechnung des Königs von England. Das dabei gebrauchte Silberservice war von Heinrich des Achten Zeit, und wurde gewöhnlich in der Silberkammer im Tower aufbewahrt und nur bei Krönungen gebraucht. Verschiedene Male hatte der König bei sich Gastmahl. Oft war er zu  Gast bald bei dem Könige von England, oder Anderen der königlichen Familie, bald bei fremden Gesandten oder englischen Großen.

So wohnte er den 19.August einem Balle bei, den des Königs Schwester, die Prinzessin Amalie in  Gunnersbury anderthalb Meilen von London gab; eine Illumination von 14 000 Lampen verschönten das Fest. Der Herzog von Gloucester, einige Prinzen von Sachsen-Gotha und 300 andere Fremde waren zugegen.

Einen großen prächtigen Ball bei Ihren Majestäten in dem Palast der Königin am 19. September, und einen andern bei der Prinzessin von Wales, am 30. zu Carltonhouse, eröffnete er mit der Königin. In Richmond wurde er den 24. September von dem Könige von England mit einem außerordentlich glänzenden Feuerwerk ergötzt. Ein runder Saal von 180 Fuß im Durchmesser war in dem Garten zu einem Ball eingerichtet.

Am 7. Oktober empfing der Herzog von Northumberland den König auf seinem zwei Meilen von London entfernten Landsitze, Sionhouse, welches von den seltensten Gemälden und Statuen von Marmor und anderen Kunstwerken strotzte, zu einem Feste desgleichen er noch nie gegeben hatte. Er hatte für den König einen neuen Weg zum Palaste anlegen und eine Brücke über dem Wasser anlegen lassen. Der ganze Weg von Westmünster nach Sionhouse war zu beiden Seiten mit Lampen erleuchtet. Sionhouse selbst war mit 15 000 Lampen illuminiert. Die Unkosten des Herzogs wurden zu 2000 Guineen angeschlagen. Unter den Gästen waren die Herzoge von Gloucester und Cumberland, welcher Letztere einige Tage vorher von dem mittelländischen Meere gekommen war.

Den Tag nach dem Feste wurden in der Nähe von Richmond drei der schönsten Regimenter zu Fuß sowie einige Truppen zu Pferde gemustert, zu welchem Schauspiel der König von Dänemark in seinem Quartier von dem Könige von England in einer Kutsche abgeholt wurde. Bei der Musterung waren beide Könige zu Pferde nebeneinander, der dänische König zur Rechten.-

Außerdem wurde der König von dem römisch-kaiserlichen Ambassadeur Fürsten von Massarano, dem russisch-kaiserlichen Gesandten Moussin Pouskin, dem königlich-portugiesischen Minister de Mello und dem Grafen Hilford bewirtet. Die Ausgaben des Letzteren für das Fest, welches er dem Könige gab, wurden auf 3 000 Guineen angeschlagen.

 

 

Beim Lordmayor von London

 

Eine der denkwürdigsten Festivitäten war indessen die welche am 23. September in dem Palaste des Lordmayors statt fand. Zufolge eines Beschlusses des Magistrats zu London hatte der Lordmayor, im Namen der Bürgerschaft, den König zu einer Mittagsmahlzeit auf jenen Tag eingeladen, die der König annahm. Am besagten Tage wurde Seine Majestät mit seinem Gefolge abgeholt. Bei Whitehall stieg er in die Staatsbarke, segelte von da, begleitet von den Barken aller Zünfte, die Themse hinab nach der Treppe des Temple*. In dem Saal dieses Gebäudes zeigte Sir James West dem Könige eine von diesem noch nicht gesehene Schaumünze, geschlagen auf Veranlassung der Vermählung des dänischen Prinzen mit der englischen Prinzessin. Von Temple fuhr der König in dem ihm entgegen geschickten Staatswagen nach dem Hotel. Hier wurde er von einigen Deputierten in Amtskleidung empfangen und in den großen Saal geführt, wo er von dem Advokaten der Stadt, in Abwesenheit des Sekretärs folgendermaßen begrüßt wurde: Ihro Majestät ! der Lordmayor, die Aldermen und Gemeinen der Stadt London erbitten sich untertänigst die Erlaubnis, ihre Dankbarkeit für die Ehre bezeugen zu dürfen die  Allerhöchste denselben durch Ihre Gegenwart in dem Hause ersten Magistratspersonen erweisen. Die engen Freundschaftsbande welche Ihro Majestät mit unserm allergnädigsten Könige vereinigen sichern Ihnen mit Recht die Hochachtung und Ehrfurcht aller treuen Untertanen. Auch die freundliche Herablassung und andere königliche Tugenden, die während Ihres Aufenthaltes unter uns hervorstrahlen, haben die Herzen der ganzen Bürgerschaft eingenommen. Sie kann nicht genug die seltene Wissbegierde Ihrer Majestät bewundern, die Sie vermochten Sich auf Reisen zu begeben, um durch eigne Untersuchungen Sich aufzuklären. Kein Zweifel, dass die glücklichen Früchte davon werden genossen und erkannt werden, so weit sich das Zepter Ew.Maj. erstrecke, Erlauben Ew.Maj. unsere inständigsten Wünsche äußern zu dürfen, dass Ihre persönlichen Verbindungen mit unseem Monarchen stets dauern, und in Freundschaft wachsen mögen, die so wesentlich zum Wohl der protestantischen Kirche, so wichtig für die Macht und das Glück der englischen und dänischen Nation ist. Möge insbesonderem die Stadt London stets mit Ew.Maj. Achtung und wohlwollender Erinnerung beehrt werden.

Der König antwortete auf dänisch, welches mit Seiner Genehmigung von Paterson, einem der Deputierten welche die Aufwartung bei ihm hatten, ins Englische übersetzt wurde: - Meine Herren! Ich bin tief gerührt von Ihren verbindlichen Äußerungen. Ich bitte Sie meinen aufrichtigen Dank dafür anzunehmen und vollkommen versichert zu sein, dass ich nie die mir erwiesene Ergebenheit der britischen Nation vergessen und stets bereit zu Beweisen meiner Erkenntlichkeit sein werde, besonders gegen Sie meine Herren und die große berühmte blühende Stadt, welcher sie vorstehen.-  Darauf wurde der König in den ägyptischen Saal geführt, wo die Tafeln, jede von 70 Fuß Länge waren; der König ging den Saal rund, um den Damen und Herren auf der Galerie das Vergnügen zu machen, ihn näher sehen zu können. Nachdem während der Mahlzeit die Toasts für das englische und dänische königliche Haus gebracht waren, brachte König Christian einen für das britische Volk und die Stadt London. Alle Straßen, durch die der König auf seinem Rückweg fuhr bis zur Templebar, waren erleuchtet.

 

* Ein Kupferstich von dieser Überfahrt, der K. Christian VII. zugeeignet ist, steht im Septemberheft von Gentlemans Magazine, in welcher Monatsschrift die ganze Feierlichkeit beschrieben ist.“ Schlegel I. e.

 

Cambridge und mehr

Während seines Aufenthalts in England machte der König außer verschiedenen Fahrten in der Gegend um London, drei oder vier ins Land hinein; die eine derselben unternahm er gegen Ende des Augusts. Auf dieser kam er den 29. desselben Monats in Cambridge an, wo der Vizekanzler der Universität und die übrigen vornehmsten Mitglieder sich gleich nach seinem Quartier begaben. Von da begleiteten sie ihn nach dem Universitätsgebäude, wo Professoren, Studenten und Damen zu seinem Empfang versammelt waren. Er besah die Collegien, die Bibliotheken und Kunstwerke. Am Abend war die Stadt illuminiert. Während seines Aufenthalts in Cambridge wurde der König zum Mitgliede der Gesellschaft der Wissenschaften daselbst erwählt *, In York besah er unter andern die Domkirche. In Manchester machte er sich mit den Fabriken bekannt und in der Nachbarschaft befuhr er den dortigen Canal (Bridgewater) und fuhr selbst eine ganze englische Meile in den unterirdischen Gang hinein. In Tedcaster, unweit Wenthworth-Castle, hatte der König den Unfall, dass sein Wagen entzwei ging, so dass er aus dem Fenster kriechen musste. Er hatte 20 Personen in seinem Gefolge, und brauchte 50 Postpferde die auf jeder Station gewechselt wurden. Den 4. September kam der König nach London zurück, nachdem er in fünfzehn Tagen 600 englische, d.h. 150 deutsche Meilen zurückgelegt hatte.

 

* Dies ist wahrscheinlich nicht richtig. Dagegen erhielt der König ein Diplom als Doktor des civilen Rechts. Es wird auf dem Rosenburger Schloß aufbewahrt. Es wird von Schlegel folgendermaßen beschrieben:- Die Urkunde von Cambridge hat die Gestalt eines Gemäldes, und ist in einem vergoldeten Glasrahmen von ansehnlicher Größe gefasst, die Schrift ist von allen Seiten mit Malereien ungefähr eine Handbreit umgeben. Oben steht Britannien als eine majestätische Frauensperson, rings umher aber sind sechs Sinnbilde der Künste und Wissenschaften in mit Blumen bekränzten Ovalen angebracht. Sie bezeichnen, nach einer beigefügten Erklärung, die Theologie, Astronomie, Beredsamkeit, Poesie, Musik und Physik. Selbst das Siegel der Universität ist gemalt. Es zeigt eine nackte gekrönte Frauensperson, die mit halben Körper hinter einem Altare hervorragt, und in der rechten Hand eine Sonne, in der linken aber einen Kelch hält. Auf dem Altare stehen die Worte: Alma mater cantabrigia und in Umschrift: Hinc lucem   &  pocula sacra. Unten stehet der Name des Malers: Carolus Richard pinxit Londine. Die Urkunde selbst ist aufs zierlichste geschrieben, und hat eine gute Wendung.-

 

In der Urkunde heißt es unter andern: Quum Serenissimus Princeps Christianus Septimus, Daniae & Norwegiae Rex ad honores nostros dignitatem suam demittere se velle significavit, placet nobis, ut Serenissimus Rex praedictus, habita Majestatis ratione, cooptetu in ordinem Doctorum in jure civili.- Bei dieser Gelegenheit bemerken wir, dass während des Aufenthalts des Königs in London beschlossen wurde, ihm das Bürgerrecht von London samt das Patent der Zunft der Goldschmiede in London zu erteilen. Beide Teile wurden ihm in goldenen Dosen zugesandt. Siehe deshalb Schlegel I.c. Beide Golddosen werden auf dem Rosenburger Schlosse aufbewahrt. Siehe Thaarups Kopenhagen Seite 50. Th.

 

Oxford und weiter

Den 14, September reiste der König nach Oxford, der andern Universität. Hier bekomplimentierte ihn der Vizekanzler allein. Darauf ging dieser weg und kam zurück begeleitet von allen Lehrern der Hochschule, worauf sie den König in die Collegien, Schulen, Bibliotheken und Kunstgalerien herum begleiteten. Seine Majestät geruhten die Doktorwürde der Rechtsgelehrsamkeit anzunehmen, die auch nachher einigen von seinem Gefolge erteilt wurde*. Zum Doktor der Medizin wurde des Königs Leibarzt, Struensee, ernannt. In der Doktortracht besah der König den südlichen Teil der Stadt.

Nachdem er Oxford verlassen hatte, reiste er nach Bedford, Berks, Buks usw. In der Stadt Stone besuchte er den Heroentempel des Grafen Temple. Den 28, September war der König in Woolwich, wo er ein Kriegsschiff von 60 Kanonen, der König von Dänemark genannt, vom Stapel laufen sah, und den 1. Oktober besah er in Greenwich das Invalidenhaus, das Observatorium u.a.m. In Newmarket hielt er sich vom 2. bis 5. Oktober auf und nahm darauf Teil in der Fuchsjagd.-

 

*- Das Oxfordsche Diplom hat eine ganz andere Gestalt als das von Cambridge. Es ist d. &. Okt., und also erst nach dem von Cambridges datiert, obgleich der König die Doktorwürde da früher angenommen hatte. Es ist auf einem zusammengerollten Pergament zierlich geschrieben, an welchem das Universitätssiegel in einer goldenen Kapsel hängt. Auf der Kapsel sind zwischen drei Kronen die Worte gestochen: Dominus illuminatio mea. Das in rotem Wachs abgedruckte Siegel zeigt durch die gotischen Figuren sein hohes Altertum. Es stellt einen sitzenden Lehrer vor, der mit zusammengelegten Händen ein Buch aufhält. Ihm zur Seite und zu den Füßen sitzen zuhörende Jünglinge. Die Umschrift ist in Mönchsbuchstaben: Sigillum Cancellarii & Universitatis Oxoniensis.- Schlegel 1.c. Th.

 

Abschied von England

Endlich näherte sich der Tag der Abreise des Königs; den 4. war schon ein Teil der Bagage nach Dover zurückgegangen. Den 10. gab der König Christian einen Maskenball auf dem italienischen Opernsaal zu dem 3000 Personen eingeladen waren. Die Begierde auf demselben zu sein war so groß, dass man vergebens 100 Guineen für die Überlassung von 4 Billetten bot. Der König von England selbst fand sich inkognito ein. Der König von Dänemark war nicht maskiert. Dass die Maskerade prächtig war, versteht sich von selbst. Der Wert der dazu gebrauchten Juwelen wird auf 2 Millionen Pf.St. (Pfund Sterling, FP) angeschlagen. An der Tafel aßen jedes Mal 700 Personen von beiden Geschlechtern, die nachher andern 700 Platz machten; Alle mussten die Maske ablegen ehe sie zu Tische gingen. Keine Art Kartenspiel fand statt.-

Den 12. Oktober nahm der König Abschied von seiner Schwiegermutter, der Prinzessin von Wales, der Schwester des Königs von England der Prinzessin Amalie und den beiden Majestäten. Den folgenden Tag sagte er der Menge von vornehmen Herren, die ihm die Abschiedsaufwartung machten, Lebewohl, und trat darauf seine Rückreise nach Dover an. Unterwegs besah er die Schiffswerft in Chatam, wo er von dem Chef der Escadre Gambier an Bord des Kriegsschiffs Victoria, das Größte in der englischen Escadre, geführt wurde. Endlich verließ er am 14. Oktober des Morgens Dover auf der königlichen Jacht Mary, die ihn denselben Tag abends nach Calais brachte.

 

Bilanz der Englandreise

So wie er in England zahlreiche Ehrenbezeugungen erhalten hatte, so hatte er auch viele verbnügt gemacht. Seine Freigebigkeit war groß. Oft verteilte er auf seinen Umfahrten Geld unter das Volk. Da er den Tag vor seiner Abreise von seinem Fenster eine Menge Menschen auf der Straße sah, machte er das Fenster auf und warf einige Hände voll Goldstücke unter sie hin. Nachdem er die dänische Capelle besucht hatte, schenkte er der Armenkasse dieser Gemeinde 500 Guineen.- Unter den englischen Hofbedienten, welche die Aufwartung bei ihm hatten, ließ er 1000 Guineen austeilen. Dem Oberkammerherrn, Graf Hertford und Oberhofmeister, Graf Talbot, machte er jedem in Geschenk von 1500 Pf.St. an Wert. Unter andern, die nicht zum Hofe gehörten, erhielt der berühmte Schauspieler Garrick Beweise von Christians Freigebigkeit.

Seine Gegenwart in England setzte bedeutendes Summen in Umlauf, man rechnete: in London eine halbe Million Pf.St. außer den beträchtlichen Bestellungen von englischen Waren die nach Kopenhagen gesandt werden sollten, die der König und sein Gefolge machten, und so wie er hierdurch den Engländern ein sehr willkommener Gast geworden war, so suchten sie sein Andenken zu bewahren nicht allein indem sie ihn in Kupferabbildeten, sondern auch indem sie ein paar Schaumünzen schlagen ließen, die seine Züg abbildten*,

* Zwei Medaillen sind bei Schlegel I.c. beschrieben und die eine in Kupfer abgebildet. Th.

 

Frankreich

Von Calais nach Paris

Nachdem der König den 14. Oktober 1768 des Vormittags Dover auf der königlichen Jacht Mary, Capitain Campbell, verlassen hatte, kam er am Abend desselben Tages in Calais an, wo er, wie bei der vorigen Durchreise, von dem Kommandanten der Provinz, Herzoge von Croy und dem Intendanten Caumartin empfangen wurde.Tags darauf besah er in einiger Entfernung von Calais eine Brücke, die in einem Punkt vier Zweige der Schiffahrt sammelt. Von hier reiste er über die Grenzfestung Ardres nach St. Omer, wo er von dem Gouverneur der Provinz Artois, Marquis Levy, empfangen wurde, und nahm seinQuartier in der Bebediktinerabtei St. Bertin. Den 16. Oktober setzte er seine Reise nach Ryssel (Lille) fort, wo die Truppen, die dort in Garnison lagen, auf seinem Wege in Parade aufgestellt waren. In Ryssel ward er von dem Grafen Muy, Kommandant in Flandern, empfangen, der verschiedene Regimenter vor dem Könige manövrieren ließ. In Douay, wo der Köng bei dem Oberpräsidenten des Parlaments frühstückte, besah derselbe die Artilleie und Stückgießerei. Über Bouchain reiste er nach Valenciennes, wo er die Besatzung auf dem mit Ludwig des Fünfzehnten Standbilde von Sally prunkenden Platz vor sich defilieren sah. In Cambrais nahm er das Nachtquartier in dem erzbischöflichen Palast, ehemals Fenelons Wohnung, und besah den folgenden Tag die Reitschule der Dragone und Reuter, worauf er die Nacht in Peronne, in Picardie zubrachte.-Obgleich er in Frankreich inkognito reiste, war doch an allen Orten de Befehl ergangen ihn als König zu behandeln.-

Empfang in Paris und Fontainebleau

Die Reise von Calais nach Paris war so geschwind gegangen, dass der König bereits am 21. Oktober abends die Hauptstadt erreichte. Er fuhr in dieselbe in einer mit sechs Pferden bespannten Berline, sechs Läufer voran, und stieg in dem Hotel York ab, wo er sogleich von dem Premierminister, dem Herzoge von Choiseul, als Bevollmächtigten des Köngs, empfangen wurde. Ludwig der Fünfzehnte hielt sich damals in Fontainebleau auf. Zu seiner Aufwartung war der Herzog von Duras ernannt von welchem er am 22. Oktober ins Schauspielhaus, und am 23. in die Oper begleitet wurde, indem Anstalt getroffen worden war, dass in den Schauspielhäusern der Stadt Vorstellungen von den vorzüglichsten Künstlern gegeben werden sollten; um so mehr, da die Trauerzeit wegen des Todes der Königin jede Festivität bei Hofe untersagte. Sobald das Zeremoniell reguliert war, begab sich der König den 24. Oktober nach Fontainebleau. Hier empfingen ihn, bei seiner Ankunft im Schlosse, der Herzog von Orleans unten an der Treppe, an deren oberen Ende der Dauphin, nachher König Ludwig der Sechzehnte, worauf er in das Cabinet geführt wurde, in dem sich Ludwig der Fünfzehnte befand. Der französische Monarch empfing ihn an der Tür, reichte ihm die rechte Hand und umarmte ihn. In dem Gemache standen zwei Lehnstühle; Ludwig bat seinen Bruder, wie er den König von Dänenmark nannte, Platz in dem einen zu nehmen, der es ablehnt und wünschte stehen zu dürfen. König Christian bezeugte sein Vergnügen darüber, dass er nun den größten Potentaten in Europa sehe. König Ludwig erklärte diesen Tag für einen der denkwürdigsten seiner Regierung, da er einen nordischen Monarchen umarmen könne; er erinnerte, dass er in einem Alter von sieben Jahr Zar Peter den Großen gesehen habe, die gegenwärtige Zusammenkunft gewähre ihm aber größeres Vergnügen. König Christian begab sich darauf zu dem Dauphin und dessen Geschwistern.

Abends wurde ohne Zeremoniell und Formalitäten in den kleinen Appartements Tafel von 80 Gedecken gehalten, an der beide Könige, die französische königliche Familie, die Herren des Gefolges des Königs von Dänemark, die französischen hohen Beamten und 24 Damen saßen.

Den folgnden Tag erhielt der König von Dänemark, in den ihm im Schlosse eingeräumten Zimmern, die Besuche aller Prinzen vom Geblüte, die er gleich darauf erwiderte. Der König von Frankreich mit den Prinzen und Hofstaate im Gefolge legte auch den 26. seinen Besuch bei ihm ab..

Den nächsten Tag darauf reiste Christian nach Paris zurück. Hier machte das ganze diplomatische Corps auf einmal ihm seine Aufwartung.

Die Hubertusjagd in Fontainebleau

Den 31. Oktober war er zu Gaste bei dem Herzoge von Orleans . Den 2. November aber reiste er wieder nach Fontainebleau wohin er eingeladen war, um an der Feierlichkeit des St. Hubertusfestes Teil zu nehmen. Während seines Aufenthaltes daselbst wohnte er einer Jagdpartie bei, die ihm zur Unterhaltung angestellt war, wobei er sich so ergötzte, dass er sagte, er habe nie einen so köstlichen Tag gehabt. Obgleich es unangenehmes Wetter war hatten sich zu dieser Festlichkeit dennoch 1500 Chaisen mit 3000 Bedienten außer einer Menge von Fußgängern versammelt. Der königlich französische Stallmeister präsentierte dem Könige Christian ein prächtig geschmücktes Pferd; eine Abteilung der königlichen Leibwache bildete einen Halbmond um ihn, auf der anderen Seite sah man den König Ludwig mit einer ähnlichen Begleitung.

Da der Hirsch erlegt war, schnitt der Herzog von Panthievre, als Oberjägermeister, den einen Fuß ab, und übergab ihn dem Gebrauch gemäß seinem Herrn, dem Könige; dieser aber trug dem Herzoge auf, dieses Jagdzeichen dem Könige von Dänemark zu überreichen. König Christian reiste darauf zur Stadt, wohnte dem Schauspiele bei, und speiste noch denselben Abend beim Könige Ludwig.

Während seines diesmaligen Aufenthaltes in Fontainebleau speiste derselbe zweimal zu Abend beim Könige Ludwig, einmal bei dem Herzoge von Orleans, einmal bei dem Prinzen von Condé. Des Mittags speiste er in seinem Gemache, wurde aber von königlichen Mundbedienten aufgewartet.

 

Königliche Unpässlichkeit

Etwas nach der Zurückkunft des Königs in Paris traf ihn das Missgeschick unpass zu werden. Die ersten Spuren zeigten sich während der Tafel bei dem Fürsten Monaco den 13. November, welches ihn doch nicht abhielt, den darauf folgenden Ball zu eröffnen, und einige Menuetten und Contratänze zu tanzen, ehe er sich nach Hause verfügte. Indessen mussten seine Majestät den folgenden Tag das Zimmer hüten; in der italienischen Oper, wo man ihn erwartete, entbehrte man ungern seine Gegenwart. Bei dem, am nächsten Tage ihm zu Ehren veranstalteten, Feste bei dem Marschall Villars fand er sich freilich ein, musste aber der Unpässlichkeit wegen bald wieder sich entfernen, so wie er sich Tages darauf bei einer Abendmahlzeit bei dem Herzoge von Penthievre durch einen der Herren seines Gefolges musste repräsentieren lassen. Auch an den König von Frankreich, der ihn den 17. November in Choisy erwartete, musste er senden, um sich entschuldigen zu lassen. Endlich konnte er, nach einem Aufenthalt von einigen Tagen in seinem Zimmer unter Struensees Behandlung das Zimmer wieder verlassen.

Weitere Vergnügungen in der Umgebung und Abschied von Versailles

Unter den Vergnügungen, an denen er nachdem in Frankreich wieder Teil nahm, war ein Fest am 28. November in Cantilly, wozu der König die Kosten hergab, wobei der Prinz von Condé als Oberhofmeister die Honneurs machte, indem die Trauer wegen des Hintritts der Königin dergleichen Lustbarkeiten in dem Palast des Königs nicht zuließ. Dieses Fest dauerte drei Tage und 8000 Personen wohnten ihm bei.

Den 8. Dezember besah König Christian die Wasserkünste zu Marly, wo er von dem Grafen von Noailles und dessen Sohn, dem Prinzen von York, empfangen wurde. Diese begleiteten ihn auch herum in den Gärten, und nach den Schlössern in der Nachbarschaft von Versailles, dem großen und kleinen Trianon. In Versailles speiste er zu Mittag bei dem Könige, nahm Abschied von demselben und dessen Familie und kehrte nach Paris zurück.

 

Kunst und Wissenschaft in Paris

In Paris besuchte König Christian häufig fas Schauspielhaus, indem in den drei Häusern, worin der König von Frankreich die Loge für ihn bezahlte, nur solche Stücke aufgeführt wurden, die er nicht gesehen hatte. Jedes Mal dass er ins Schauspiel gewesen sendete er dem Schauspielerpersonal tausend Taler, welche Ausgabe zusammen sich an ein zwanzigtausend  Taler belaufen mochte. Die alten Lustspiele waren ihm angenehmer, sagt man, als die neumodischen Dramen.

Auch Männern von Gelehrsamkeit und Witz schenkte der König Christian seine Aufmerksamkeit, für welche er wieder ihre Erkenntlichkeit einerntete. Nicht nur lud er an zwanzig der berühmtesten Verfasser, ohne Rückseicht auf Rang und Stand, zu seiner Tafel ein, unter denen d´Alembert, Diderot, Helvetius, Condillac, Marmontel, Saurin, la Condamine; sondern er ging auch zu ihnen. Er beehrte eine Versammlung der Academie mit seiner Gegenwart, in der Abbé Voisenon eine Rede an ihn hielt, d so schloß:

Charmer un peuple est plus que l´avoir soumi ;

Tous Vos triomphes sont des fêtes.

Vous emportez nos cœurs ; vous les avez conquis,

Nous ne vous prions pas de rendre vos conquètes.

(Ein Volk entzücken ist mehr als es unterworfen haben ; Alle Ihre Triumphe sind Feste. Sie nehmen unsere Herzen mit, Sie haben sie erobert. Wir bitten Sie nicht, Ihre Eroberungen zurückzugeben.)

Sein Bild hing noch im Jahre 1789 in dem Versammlungssaal der Academie.-

Zu den Huldigungen, welche die schönen Geister dem Könige darbrachten, gehören ferner die Verse, welche der Abbe de Chosne unter das Bild des Königs, von Duvet in Kupfer gestochen*, setzte

Les roses de l´Hymen et le trone des Rois

Ne lónt point retenu dans leur chaine flatteuse ;

Il voyage, il instruit sa raison lumineuse

Par des tableux divers et des mœurs et les lois

Síl s´arrête en ces lieux, seduit par notre homage,

Heureux peuple danois n´en soyez point jaloux,

Le destin lá formé pour regner parmi vous ;

Notre art ne peut ici que fixer son image.

( Die Rosen des Hymen und der Thron der Könige haben ihn nicht in ihren schmeichelnden Ketten gehalten. Er reist, er unterrichtet seinen lichtvollen Geist durch die verschiedenen Gemälde, sowohl der Sitten als der Gesetze. Wenn er in diesen Gegenden verweilt, von unseren Huldigungen verleitet, glückliches dänisches Volk sei nicht eifersüchtig. Das Schicksal hat ihn gebildet über euch zu herrschen; unsere Kunst kann hier nur sein Bild fesseln.)

Zu den Huldigungen, welche die schönen Geister dem Könige darbrachten, gehören ferner die Verse, welche der Abbe de Chosne unter das Bild des Königs, von Duvet in Kupfer gestochen*, setzte

Les roses de l´Hymen et le trone des Rois

Ne lónt point retenu dans leur chaine flatteuse ;

Il voyage, il instruit sa raison lumineuse

Par des tableux divers et des mœurs et les lois

Síl s´arrête en ces lieux, seduit par notre homage,

Heureux peuple danois n´en soyez point jaloux,

Le destin lá formé pour regner parmi vous ;

Notre art ne peut ici que fixer son image.

( Die Rosen des Hymen und der Thron der Könige haben ihn nicht in ihren schmeichelnden Ketten gehalten. Er reist, er unterrichtet seinen lichtvollen Geist durch die verschiedenen Gemälde, sowohl der Sitten als der Gesetze. Wenn er in diesen Gegenden verweilt, von unseren Huldigungen verleitet, glückliches dänisches Volk sei nicht eifersüchtig. Das Schicksal hat ihn gebildet über euch zu herrschen; unsere Kunst kann hier nur sein Bild fesseln.)

*In 4to. Siehe Hjelmstjernes Samml. von Medaillen, Gemälde und Kupfern. 1786 S. 442

 

Auch las man folgendes kleines Gedicht:

Autre fois sur ses bords la Seine vit des Rois:

L´infortuné Stuart, Casimir le paisible,

Et l´Empereur fameux qui sut donner des lois

A ce peuple grossier, quíl rendit invincible.

Iacques fut plaint ; Casimir ignoré ;

Pierre étoit grand ; il ne fut qu´admiré ;

Vous etes bienfaisant, gènereux et sensible

Christian, vus êtes adoré.

(Ehemals sah auf ihren Ufern die Seine Könige, den unglücklichen Stuart, Casimir den friedlichen und den berühmten Kaiser, welcher seinem rohen Volke , das er unüberwindlich zu machen verstand, Gesetze zu geben wußte. Jakob wurde beklagt, Casimir vergessen, Peter war groß, er wurde nur bewundert. -Sie sind wohltätig, edelmütig und gefühlvoll. Christian, sie sind angebetet.)

Auch die Sorbonne besuchte der König und wurde mit demselben Zeremoniell empfangen wie der Zar Peter. Unter den damaligen Sehenswürdigkeiten der Bibliothek zeigte man ihm eine deutsche Bibel, die der Zar eingesandt hatte, welches veranlasste, dass der König, als er hörte dass keine dänische da sei, versprach eine zu schicken.

Ebenso wurde der König im Parlamente mit gleicher Feierlichkeit empfangen als der Zar Peter. Der Advokat Gerbier und Generaladvokat Segnier hielten Reden an ihn. In seiner Gegenwart wurde eine Erbschaftssache verhandelt.

Ferner besah er die Münze, wo man in seiner Gegenwart eine Medaille schlug, die sein Bild vorstellte und welches er erst erfuhr, als man sie ihm überreichte. In der Fabrik Savonnerie, wo kostbare Tapeten (Teppiche, FP) auf türkische und persische Weise verfertigt wurden, traf der König eine solche, worauf sein Wappen stand.- Bei seinem Besuche in Gobelins Fabrik zog eine Tapete, mit Esters Geschichte, seine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Er fragte, für wen sie bestimmt war. Sein aufwartender Kammerherr, der Herzog von Duras, antwortete: für Ihro Majestät.- In der Porcellanfabrik zu Seves wurde ihm ein Service mit dem dänischen Wappen auf jedem Stücke angeboten, das zu einem Wert von 100,000 Taler geschätzt wurde. Außerdem besuchte er die Malerakademie, das Naturalien-Cabinet.

 

Abschied von Paris

Auch in Paris machte sich der König allgemein beliebt durch seine Lebhaftigkeit und Herablassung. Die Fischweiber dieser Hauptstadt, so bekannt in der Geschichte, bezeugten ihm ihre Huldigung sowohl bei seiner Ankunft als bei seiner Abreise. Die schönste unter ihnen überreichte ihm bei dieser letzten Veranlassung einen Blumenstrauß und erbat sich die sonderbare Gnade, ihn küssen zu dürfen, worauf er ihr die Wange reichte. Dabei gab er ihr zwölf Louisd´or.-

Ebenfalls ließ er vor seiner Abreise Geld unter die Armen austeilen; so wie er auch während seines Aufenthalts in Paris viel weggab, nicht bloß als Almosen an jene, sondern auch als Geschenk an Dichter, Schriftsteller, Fabrikvorsteher, Hofbediente usw. Der Herzog von Duras erhielt einen mit Juwelen besetzten Degen, 20,000 Livres an Wert, nebst des Königs Portrait; dessen Gemahlin ein Halsband von Diamanten. -

Das Gerücht ging dass Christian dem Könige von Frankreich ein dänisches Kavallerie-Regiment angeboten habe, dem er Sold und Pferde geben wollte, zu dessen Kommandant er den Herzog von Duras und seine Nachkommen bestimmt habe.

Den 9. Dezember Morgens verließ der König Christian Paris. Eine vor seinem Hotel versammelte Menge rief ihm ein: Es lebe der König! Zu, als er sich einige Male am Fenster zeigte und gnädig grüßte.

 

Zurück in das Königreich Dänemark

 

Er nahm seinen Weg über Metz, wo er, von dem Marschall Armentieres empfangen, sich einige Tage aufhielt.- In Straßburg wurde er von dem Herzoge von Gelleau im Namen des Kurfürsten von Zweibrücken nach Mannheim eingeladen. Er nahm die Einladung an, indem er sich alles Zeremoniell verbat. Nichts desto weniger wurde er den 18. in Mannheim auf das feierlichste empfangen. Hier besuchte er die Akademie der Wissenschaften, die Bibliothek, die Schatzkammer, die Bildergalerie und das Münzkabinett, wo er alle Kurfürsten von der Pfalz in Gold geprägt zum Geschenk erhielt.

Nachdem er den 21. Mannheim verlassen hatte, umarmte er wieder in Hanau seine beiden Schwestern und deren Gemahle. Von Hanau setzte er den 28. seine Reise fort, kam über Braunschweig nach Altona am Neujahrstage 1769.

 

Bilanz der Auslandsreise Christian VII

Als der König seine Reise antrat hatte er bereits durch seinen Edelmut gegen die Familie Calas in Voltaires Lobgedicht auf diese Veranlassung eine ehrenvolle Erwähnung in den Gesprächen über ganz Europa erworben. Durch seine Reise bestätigte er nicht allein seinen Namen als freigebiger König; sondern zeigte auch bei verschiedenen Gelegenheiten Witz und Tüchtigkeit. In Holland überreichte ein dort ansässiger Herr dem Könige einen Stammbaum, dem zufolge er glaubte mit ihm verwandt zu sein. Mein Herr Vetter, antwortete der König, ich bin hier inkognito, seien sie es auch. Als der König von Frankreich zu ihm sagte: ich könnte ihr Urgroßvater sein, antwortete er: das mangelt meinem Glücke. Derselbe König fragte Christian: für wie alt er Frau von Flaracourt, die er zu schätzen schien, hielte. Christian antwortete: dreißig Jahr. Sie ist über die Fünfzig sagte Ludwig. Das ist ein Beweis, dass man am Hofe Ihrer Majestät nicht altert, antwortete Christian.-

Was aber noch mehr dem Volke Freude machen und es über die großen Kosten der Reise trösten musste, war dass der junge König unverkennbar in mehr als einer Rücksicht gut von seine Reise hatte.

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-         Die Reise eines Königs mit so zahlreichem Gefolge konnte nicht anders als sehr kostbar sein, und die dem dänischen Hofe angewöhnte Prachtlust, so wie die Freigebigkeit des Monarchen vermehrten in hohem Grade die Ausgaben. Auch nach de Rückkehr des Königs gingen für gekaufte Waren ansehnliche Summen aus dem Lande nach England und Frankreich. Wie hoch diese Kosten sich beliefen, lässt sich zwar keineswegs ausmitteln,- ( Str. 1 Th. S. 180, wo etwas mehreres hierüber bemerkt ist.)

 s.a. den Brief eines Hofmannes Reise des Königs Christian VII (1768)