Kaiserliche Marine und Förde-Umwelt

Kaiserliche Marine und Förde-Umwelt

 

Notiz aus

Seelig, Geert (1920). Eine deutsche Jugend. Erinnerungen an Kiel und den Schwanenweg. Hamburg, Alster Verlag, S. 93 und 105.

S. 93: Als ich die berühmte Kieler Förde zum letzten Male im September 1918, noch mit den glänzenden Fahrzeugen der damals unbesiegten und unverminderten Flotte bedeckt erblickte, war sie eigentlich nichts anderes wie das bis ins letzte hinein zweckmäßig ausgenutzte Wassergelände für einen ungeheuren Marinemechanismus. Das gab natürlich auch Bilder von einem gewissen sachlichen und auch künstlerischen Reiz. Allein die gefeierte landschaftliche Schönheit des Kieler Hafens war restlos vernichtet ! Mühe genug hat es gekostet, die von der Künstlerin Natur sanft umrissenen Linien des Hafens, die reizvoll wechselnden Uferhöhen, die zuströmenden Bäche, die hochragende Hölzung der –Gründe- fast bis auf das Letzte im Dienste vorwiegend zerstörender Mächte verschwinden zu lassen.

 

S. 105: Den ganzen Sommer gab es Krabben, die beim Kochen zart rosarot wurden. Sie hielten sich in allen flachen sonnigen Buchten des Hafens auf und wurden, wie gesagt, mit den Ellerbeker Plümpern gefangen. Mitte der achtziger Jahre verschwanden sie. Namentlich die Torpedoboote waren Schuld daran, weil diese bis in den fernsten Wasserwinkeln eine Dreck- und Ölschicht verbreiteten, unter der die Krabben erstickten.

(bearbeitet von Friedemann Prose)