Aus: Jules Verne´s Reise zum Mittelpunkt des Nordens

von Friedemann Prose ( Ed.,Kiel 2012)

 Abschied von Dänemark

Sonnabend, 25. Juni

Es ist gutes Wetter. Der Wind kommt aus Ost. Auf dem Achterschiff der St. Michel wird das Zelt errichtet. Wir müssen uns auf die Abreise am morgigen Sonntag vorbereiten, sofern nicht der König die Audienz gewährt. Noch immer die Ansicht von Kopenhagen und dem Hafen. Das englische Geschwader soll heute auslaufen. Frühstück. Wir gehen von Bord und nehmen einen Wagen zum Park von Frederiksberg. Bäume, Rasenflächen, Brunnen. Ein Aussichtspunkt. Wir machen einen Besuch bei Herrn Warsoe auf Rosenborg. Dann ein Besuch beim Herausgeber Anders Schou, der die Sammlung der Voyages Extraordinaires auf dänisch zugeschickt hat. Besuch im Thorwaldsen-Museum. Die Statuen. Die Antike. Rückkehr an Bord.

Um 6 Uhr ½ Diner beim Botschafter Frankreichs. Madame, Mademoiselle, der erste und der zweite Sekretär, der offizielle Dolmetscher. Es war ein glänzendes Diner. Danach Plauderei. Ein Brief des Außenministers erreicht uns, der besagt, dass der König nicht nach Helsingör zurückkommen und uns nicht empfangen könne. Um 11 Uhr ½ Rückkehr an Bord. Der königliche Hof ist eher deutsch als dänisch.

 

Wir sollten an jenem Tag in Kopenhagen ablegen, aber eine Einladung zum Abendessen beim Gesandten Frankreichs, dem sich eine äußerst angenehme Abendgesellschaft anschloss, verzögerte unsere Abreise um zwei Tage. Diese Verzögerung erlaubte uns, den wunderbaren Park von Frederiksberg, das jetzt ein Vorort der vergrößerten Hauptstadt ist, zu besichtigen.

 

Am nächsten Morgen, Sonntag den 26. Juni, nachdem unser Freund Robert Godefroy ausgeschifft war, der die Reise über Malmö, Stockholm, Christiania[69], Trontheim abrunden wollte, indem er in der Finnmark bis nach Hammerfest und zum Nordkap hinauffuhr, nahm die Saint-Michel Kurs Richtung Boulogne[70].

 

 

Sonntag, 26. Juni

Dies ist der für die Abfahrt festgesetzte Tag. Ich schreibe an Hetzel, an O. und an den Pastor in Rotterdam. Um 8 Uhr begebe ich mich an Land und zur Post. Dort fand ich eine Depesche von Honorine vor, die am Freitag den 1. Juni mit Valentine nach Royat abgereist ist. Nach dem Frühstück ging Godefroy von Bord. Er schifft sich nach Malmö ein. Adieu.

 

Um 11 Uhr ½ sind wir ohne einen Lotsen ausgelaufen. Westwind. Das Meer ist rauh. Die Nacht kommt. Starker Wellengang. Die englische Flotte, die weiter die Ostsee hinauffährt, wird passiert. Die 8 Schiffe fahren in einer Linie hintereinander. Der Komet ist zu sehen. Schlechtes Wetter. Regen. Die See schüttelt uns kräftig durch.

 

 

 

 

( hier Abbildung der Saint-Michel in der Illustreret Tidende einfügen)

 

 

 

 

Die Handschriftensammlung der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen bewahrt eine Note von Jules Verne auf, die in der Übersetzung aus dem Französischen lautet:

"Monsieur, wir hatten nicht das Vergnügen, Sie vorgestern im Tivoli zu treffen, wo wir von Ihnen Abschied nehmen wollten. Aber wir möchten doch nicht abreisen, ohne Ihnen Dank für den freundlichen Empfang zu sagen, den Sie uns bereitet haben. Nehmen Sie sowohl den besten Dank meiner Begleiter als auch meinen entgegen. Meine herzlichsten Grüsse.

Jules Verne."

 

Dieser Brief ist datiert Copenhague, 26. Juni ohne Jahresangabe. Es handelt sich mit großer Sicherheit um den Brief an O., den Verne an diesem Tag im Jahre 1881 geschrieben hat. Bernhard Olsen, von dem im Bordbuch die Rede ist, war bis 1885 der Direktor des Tivoli,.

 

 


[69] das heutige Oslo

[70] Boulogne am Ärmelkanal in Nordfrankreich.